Titel

Franziska Gerstenberg

Spiel mit ihr

Roman



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Schöffling & Co.

Spiel mit ihr

- 1 -

Lass mich dein Bauer sein.« Er flüstert. »Dein Tiroler Speck.«

Sie befinden sich in seinem Wohnzimmer mit der verglasten Wand, im vierzehnten Stock, zu ihren Füßen die halbe Stadt. Von diesem Berg hat man wirklich eine gute Aussicht. Das Stroh hat Reinhard im Zoogeschäft gekauft, er hat das Zimmer präpariert, bevor Kristine klingelte. Sie stellte ihre Handtasche auf einen Stuhl und fragte: »Wieso liegt hier überhaupt Stroh rum?« Sie mussten lachen. Er hat die Mistgabel im Baumarkt besorgt, die Kleidung im Internet, das Einkaufen fällt ihm dort leichter, die Erfüllung eines Wunsches ist nie mehr als drei, vier Bewegungen auf der Tastatur entfernt. Eine blonde Perücke, nur die Lederhose war teuer.

Sie haben verabredet, dass eine Kuh vorhanden ist, auf einem Hocker liegt ein schwarzweiß geflecktes Kissen. Der CD-Player ist programmiert. Sie haben den Berg verabredet, einen Alpengipfel, von dem man eine gute Aussicht hat, schroffes Gestein, oben Schnee, aber auf halber Höhe, um ihren Stall herum, sattes grünes Gras. Sie haben den Stall verabredet, in dem die Kuh im Stroh steht, sie haben die Magd verabredet. Die Magd hat ihre Brüste hochgebunden, trägt Holzschuhe und ein ungewöhnlich kurzes Dirndl mit Schürze. Und den Bauern haben sie auch verabredet, mit seiner Lederhose, die einen Hosenlatz zum Knöpfen hat und Hosenträger mit einem Querriegel. Für später haben sie ausgemacht: Gewitter. Der Rest ergibt sich von selbst, Sonne, Himmel, Edelweiß.

Dass er von so viel fremdem Leben Besitz ergreifen könnte, hätte Reinhard früher nie gedacht. »Unser neues Lieblingswort«, flüstert er Kristine ins Ohr, »ist wahrhaftig.« Da kommt der Anwalt in ihm durch: dass man so viel Wahres erleben darf und nicht dafür haften muss.

Die Kuh schlägt mit dem Schwanz nach Fliegen. Sie ist prächtig, sehr sauber, das Euter sieht aus, als hätte es gerade jemand gewaschen. Ein schwindelerregender Blick vom Berg ins Tal hinunter. Die Magd hat blonde Locken, ihre Wangen sind gerötet, sie ist den ganzen Weg vom Dorf hinauf zum Stall gelaufen, um die Kuh zu melken. Sie trägt den Melkeimer in der Hand. Aber hier oben findet sie nicht nur die Kuh, hier oben wartet auch der Bauer.

Der Bauer arbeitet im Stall, brummt nur kurz, als die Magd hereinkommt, in seinen Händen die Mistgabel, er beugt sich vor, richtet sich auf, wirft das alte Stroh quer durch den Stall, er gerät kaum ins Schwitzen. Die Magd hockt sich auf ihren Schemel, im kurzen Dirndl, schiebt den Eimer unter die Kuh und beginnt sie zu melken. Dabei beobachtet sie den Bauern; der aber tut so, als interessierte ihn nichts als das Stroh. Und als die Magd ihren Mut zusammennimmt und etwas sagt, über das Gefühl in den Fingern, wenn die Milch in den Eimer strullt, da knurrt der Bauer, sie solle nicht trödeln und die Kuh nicht durcheinanderbringen.

Die Kuh ist fertig gemolken, der Bauer schielt über die Schulter nach der Magd, die den Melkeimer vorsichtig am Henkel hochhebt. Sie wechseln einen Blick. Von einer Sekunde auf die andere schlägt das Wetter um, erster Donner, aber kein Regen, noch kein Regen, die Magd schnappt nach Luft. Es ist so schwül, dass sie kaum atmen kann. Die Angst vor dem Gewitter steigt ihr in den Hals, was tun, wenn hier oben, hier auf dem Berg, ein Blitz einschlägt? Die Kuh reckt den Kopf und muht, die Magd schwankt.

Da steht der Bauer neben ihr. Zwar tut er nichts, um sie zu beruhigen, aber sie kann sich an seiner Seite sicher fühlen, oder nicht? Doch dann weist er sie an: »Die Milch, bring schnell die Milch ins Dorf.« Erschrocken schüttelt die Magd den Kopf. Sie bemüht sich, den Eimer gerade zu halten, die Milch darf nicht über den Rand schwappen, die Magd weicht zurück. Knarren, Ächzen, das Gewitter ist über ihnen, die Magd kurz davor, in Tränen auszubrechen. Der Bauer ragt wie ein Riese vor ihr auf.

Als es erneut donnert, kann die Magd einen Schrei nicht unterdrücken. Vor Angst wird ihr schwindlig, schnell stellt sie den Eimer ab. Der Bauer hat oft genug gesagt, was ihr droht, wenn sie die Milch verschüttet. Abwehrend streckt sie die Arme aus, aber plötzlich greift er nach ihr, drückt die starken Hände auf ihre Schulterblätter und zieht sie an sich. Sie kann ihm nicht ausweichen, er presst ihren Kopf an seine Brust wie den einer Kuh, die gerade ihr Kalb bekommt. »Schhhhh. Ruhig.«

Einen Moment bleiben sie so stehen, draußen hält der Wind die Luft an. Dann verlagert der Bauer sein Gewicht, grunzt und greift mit der rechten Hand nach unten. Er schiebt die Schürze der Magd hoch, ihren Dirndlrock, unter dem sie einen derben ausgeleierten Baumwollschlüpfer trägt.

Sie gehen in die Knie, mit einer kräftigen Bewegung dreht der Bauer die Magd herum, behält die Hand unter ihrem Rock. »Aber…«, flüstert die Magd. »Aber ich habe doch Angst vor dem Gewitter, und die Kuh…«

Der Bauer knurrt: »Was hat die Kuh damit zu tun?« Seine Hand tastet, die Magd rutscht ins Stroh. Sie zuckt und ihr Gesicht wird, als sie gerade den Kopf in den Nacken wirft, von einem Blitz erhellt. Der Bauer zerrt an seiner Lederhose, die Natur tobt, die Kuh schreit auf, der Bauer hält die Hand in den Eimer, in die noch warme Milch, schöpft etwas davon ab und gibt der Magd zu trinken. Eine Spur läuft an ihrem Hals entlang. Der Bauer leckt seine Finger ab, die Magd leckt die Finger des Bauern ab, der Bauer tunkt die Hand wieder ein und verreibt die Tropfen zwischen den Beinen der Magd. Er schöpft ihr Milch in den Schoß, jetzt mit beiden Händen, die Milch durchweicht den Rock, der Stoff legt sich um die Schenkel. Nach einem letzten Donnerschlag beginnt es draußen zu regnen und die Magd stöhnt und zittert

Er schlägt das Buch zu. Er hat einen Knall erwartet, aber das Zuschlagen ruft nur ein mattes Geräusch hervor, weil es sich um ein Taschenbuch handelt, ein zerlesenes Taschenbuch mit einer bäuerlichen Szene auf dem Einband. Eine Kuh, ein Stall, Gras und im Hintergrund, auf dem Gipfel des Berges, Schnee.

Ein mattes Geräusch nur. Die junge Frau fährt trotzdem zusammen, entschuldigend lächelt er sie an, wundert sich, dass sie ihn gehört hat, mit diesem riesigen Kopfhörer über den Ohren. Manchmal erreicht ihn ein unmelodisches Klirren, von dem er kaum glauben kann, dass es Musik ist.

Die junge Frau sitzt ihm gegenüber, sonst ist das Zugabteil leer. Als er gerade Luft holt, vielleicht, um die junge Frau anzusprechen, beugt sie sich vor und beginnt, ihre locker sitzende Strumpfhose hochzuziehen. Mit routinierten Bewegungen, mit spitzen Fingern strafft sie den Stoff, erst unten am rechten Knöchel, dann an der Wade, am Knie, am Oberschenkel, endlich muss sie einen Moment die Pobacke anheben, der Rock ist sehr kurz. Danach nimmt sich die junge Frau das linke Bein vor, bis die Strumpfhose auch hier keine Falten mehr schlägt und sich glänzend an die Haut schmiegt. Die junge Frau trägt rote Schuhe mit Schnallen an den Seiten und Absätzen. Der Rock ist ein nachgemachter Schottenrock, kein Schotte würde so etwas tragen.

Er spürt, dass er rot wird. Schnell greift er sich an den Hals. Der Kragen sitzt noch sicher, steif, eine schwarzweiße Barriere zwischen ihm und der Welt. Er wird den Teufel tun, diesen Kragen zu weiten. Aber der Teufel wartet schon.

Er fragt sich, wie lange die junge Frau keinen Pfarrer gesehen hat. Vielleicht ist sie nicht einmal getauft? Er schwitzt, die junge Frau schlägt das rechte Bein über das linke. Die Abteiltür könnte sich jederzeit öffnen. Die junge Frau stellt die Füße auf den Boden, reckt sich, schiebt sich auf dem Sitz nach hinten, bis sie mit dem ganzen Rücken die Lehne berührt. Dann sinkt sie wieder in sich zusammen, und diesmal schlägt sie das linke Bein über das rechte.

Er räuspert sich, aber die junge Frau ignoriert ihn. Das zweite Räuspern gerät ihm so laut, dass er einen scharfen Schmerz im Rachen spürt. Erst als er nun doch seinen Kragen lockert, zwei Finger zwischen den Stoff und seinen Hals schiebt, erst als er seine eigene feuchte Haut spürt, fragt ihn die junge Frau plötzlich: »Ist Ihnen heiß?«

Er weiß nicht, was er sagen soll.

»Praktisch, so eine Soutane, auf Schwarz sieht man keine Schweißflecken.«

»Was…« Er macht eine unbestimmte Handbewegung. »Wie…«

»Was ich höre und wie ich heiße? Valerie.« Die junge Frau betont den Namen auf der letzten Silbe, sie lächelt unschuldig, ihre Lippen sind schmal und rot angemalt, genau im Farbton der Schnallenschuhe, des Schottenrocks, als gehörte das Lippenrot zu einer Uniform. Jetzt nimmt die junge Frau– Valerie, sie heißt Valerie– doch den Kopfhörer ab und legt ihn sich in den Schoß, schnippt einen unsichtbaren Fussel vom Knie. »Kennen Sie das Hohelied?«

Er ist verwirrt. »Von welcher Gruppe?«

Die junge Frau lacht. »Wie süß«, sagt sie, »schmeckt seine Frucht meinem Gaumen! Dein Schoß ist ein rundes Becken, Würzwein mangle ihm nicht.«

Der Pfarrer stöhnt leise, streicht über die Falten der Soutane, unter der seine Beine zucken, die junge Frau beobachtet ihn. »Sie wollen wohl«, fragt sie, »nicht über die Bibel sprechen?«

Als die junge Frau ihm die Füße entgegenstreckt, zieht der Pfarrer ihr die roten Schuhe aus. »Feines«, sagt er, »Leder«, seine Hände zittern. Die junge Frau will ihm im Gegenzug beim Ausziehen der Soutane behilflich sein.

»Sie schwitzen doch so.«

Als der Pfarrer längst keine Soutane mehr trägt, nur noch lange Unterwäsche und schwarze Socken, steht er auf dem Polster seines Sitzes und streckt der jungen Frau ein Kreuz entgegen, sie fällt aus der Rolle, »ich bin doch kein Vampir«, aber dann schaut sie noch einmal auf das Kreuz und sieht erschrocken aus.

Als die junge Frau auf dem Abteilboden liegt und nicht mehr aufhören will zu beichten, »Vater, ich bin schuldig geworden«, kann der Pfarrer den Anblick nicht ertragen, die junge Frau schluchzt, und er hebt sie auf.

Als sie auf dem Schoß des Pfarrers sitzt, ist der Rock verschwunden, mit der Stimme einer Sechsjährigen betet die junge Frau den Rosenkranz, sie beten gemeinsam, bis der Pfarrer statt der Holzperlen Valeries Brustwarzen durch die Finger gleiten lässt, sie einen Moment zusammendrückt. »Groß sind die Werke des Herrn«, sagt Valerie, »oho.«

»Unser neues Lieblingswort«, flüstert Reinhard Kristine ins Ohr, »ist Beichte.« Immer, wenn sie gekommen ist, glänzt ihr Gesicht, als wäre die Haut von einer dünnen Lasur überzogen. Er stellt sich ihren Orgasmus länger und intensiver vor als seinen eigenen, er betrachtet sie mit Neid, ihr Orgasmus bleibt ihm fremd. Manchmal öffnet sie dabei die Augen, aber er glaubt nicht, dass sie dann etwas sieht, jedenfalls nicht ihn.

Er trägt noch die Socken des Pfarrers und küsst Kristine auf den Hals, sie muss lachen, wahrscheinlich hat sein störrischer Kinnbart sie gekitzelt oder gekratzt, der Bart ist störrischer als ihr Schamhaar. Sie findet, dass er nicht zu ihm passt, Reinhard weiß das. Weder zu seinem, wie sie sagt, vorgerückten Alter, noch zu seinem vorzeigbaren Beruf. Aber er wird gern als störrisch wahrgenommen. Manchmal wechseln Frauen, wenn er ihnen abends allein entgegenkommt, die Straßenseite; er mag das Gefühl, bedrohlich zu wirken, ohne eine Bedrohung zu sein.

Vielleicht soll der Bart auch kaschieren, dass ihm auf dem Kopf die Haare immer mehr ausgehen.

Er gibt ein Röhren von sich, dann reckt er die Arme in die Luft. Kristine steht von der Couch auf– von der Sitzbank im Zug, denkt Reinhard–, etwas Sperma läuft ihr am Bein hinunter. Sie schiebt die Stellwand beiseite und geht zu dem Stuhl, auf den sie vorhin, vor, wie ihm scheint, langer Zeit, ihre Sachen gelegt hat, die Bluse hängt über der Lehne. Bevor Kristine im Flur verschwindet, lächelt sie Reinhard noch einmal an. Als er die Badtür hört, springt er auf, nimmt seine Brille vom Schreibtisch, auf dem Boden liegen Kleidungsstücke wild durcheinander, mittendrin der Schottenrock und die roten Schnallenschuhe. Die Strumpfhose ist ihnen zerrissen, er wird gleich morgen eine neue kaufen.

Er überlegt kurz, die Soutane wieder anzuziehen, aber dann geht er nackt ins Bad. Kristine stellt gerade einen Fuß auf den Wannenrand und wäscht sich zwischen den Beinen, sie friert, ihre Arme sind mit Gänsehaut überzogen.

»O nein, sieh mir dabei nicht zu!«

Er lehnt sich gegen den Türrahmen. »Wieso nicht?« Immerhin schließt sie die Tür nicht mehr ab wie am Anfang, da stand er fassungslos vor dem Bad und drückte wieder und wieder die Klinke, bis sie von drinnen rief, es dauere doch nur einen Moment.

»Das ist so… banal. Ich wasche mich doch nur.«

»Du hast keine Ahnung, was Männer erotisch finden.«

Kristine ist zehn Jahre jünger als er, vierzig, er hat sich schon manchmal gefragt, ob sie ihre Haare färbt, sie sind schulterlang, weich, und auch das Braun ist weich, ein ungewöhnlicher Farbton. Eigentlich sieht alles an Kristine, obwohl sie schlank ist, nachgiebig und weich aus. Wenn sie sich vorbeugt, schwingen die Brüste kurz nach.

Sie zieht sich an, erst den Slip, noch nie hat er sie einen Tanga tragen sehen, er sollte ihr bei Gelegenheit einen schenken. Sie hakt den BH vor dem Bauch zu, bringt ihn dann in die richtige Position und schlüpft in die Träger, ihr Gesicht glänzt immer noch. Als sie nach der Bluse greift, stößt sich Reinhard vom Türrahmen ab und geht zurück ins Wohnzimmer.

Er hat Glück gehabt mit der Wohnung, zumindest hat das die Maklerin gesagt. Alles ist neu und riecht noch nach Farbe. Als Reinhard Kristine zum ersten Mal zu sich einlud, zwei Monate ist es her, holte sie beim Betreten des Wohnzimmers zischend Luft. Einen Moment war er verunsichert, wie er das deuten sollte. Dann ging sie langsam auf die verglaste Ostfront zu und breitete die Arme aus. »Die ganze Stadt«, sagte sie. »Na ja«, sagte er, »die halbe.«

»Dieser Blick«, hat die Maklerin gesagt, »sorgt dafür, dass sie den Balkon nicht vermissen. Ich weiß, Sie wollten eigentlich eine Wohnung mit Balkon… Wenn Sie bitte trotzdem hier unterschreiben würden?«

Noch immer nackt setzt sich Reinhard auf den Bürostuhl vor dem Computer, drückt wahllos eine Taste. Er spürt das Leder im Schritt. So weit oben zu wohnen hat den Vorteil, dass niemand zu ihm hineinsehen kann.

Obwohl er kein schlechtes Gewissen haben müsste, wenn er einen halben Tag zu Hause arbeitet, packt er sich in solchen Fällen mehr ein, als er in der Kanzlei schaffen würde. Den ganzen Abend wird er mit dem Aktenstapel zu tun haben. Als Kristine vorhin klingelte, hat er das Tippen mitten im Satz unterbrochen. Flüchtig denkt er daran, ihr einen Schlüssel nachmachen zu lassen; dann kann sie, wenn es sich anbietet, auch schon vor ihm in seiner Wohnung sein, etwas vorbereiten, zur Abwechslung einmal ihn überraschen.

Sie kommt im Mantel ins Zimmer, legt ihm die Hand in den Nacken, er lässt den Stuhl herumschwingen und grinst, als ihr Blick an seinem Körper hinabrutscht. »Musst du wirklich schon los?«

Sie nickt. »Ich bin sowieso zu spät dran, um Emma abzuholen.«

Er kennt Kristines Tochter erst seit zwei Wochen, Emma ist sechs, er hat sich Sechsjährige größer und weniger kindlich vorgestellt, schließlich geht Emma seit kurzem in die Schule. Sie hat viel hellere, noch weichere Haare als Kristine, ein flaches rundes Gesicht, Babyspeck am Bauch. Ihre Haut fühlte sich, als sie Reinhard die Hand gab, verschwitzt und heiß an, und auch später hatte er das Gefühl, ihr Körper strahle ständig Wärme ab.

»Ich denke dann an dich«, sagt Reinhard. »Beim Aufräumen.«

Kristine beugt sich zu ihm hinunter und küsst ihn, die Brille ist im Weg, Kristine schlägt leicht mit dem Handrücken gegen Reinhards Schlüsselbein, jetzt aber, sagt die Hand, lass mich gehen, ich muss. Er hält ihre Finger fest. »Dann grüß sie.«

»Emma?«

»Wen denn sonst?«

Sie scheint sich zu freuen, hebt ihre Tasche auf. »Die Schule ist noch so neu für sie. Gestern ist sie mir am Tisch eingeschlafen. Und früh will sie nicht aufstehen. Sie zählt jetzt alles, ihre Stifte, oder die Karos auf der Tischdecke, dabei kannte sie die Zahlen vorher schon… Willst du mal zum Essen zu uns kommen?«

Als Kristine weg ist, geht er ins Bad, riecht an ihrem Waschlappen, der über der Heizung trocknet, dann zieht er sich an. Die Heizung läuft. Nachdem es schon keinen richtigen Sommer gab, werden sie jetzt auch um den Oktober betrogen, der Wind reißt die Blätter von den Bäumen, obwohl sie noch grün sind, und die Sonne scheint nicht.

Am Abend unterbricht er die Arbeit und trifft sich mit Lars. Lars bezeichnet sich als Reinhards Lieblingskollege; in der Kanzlei gilt er als alter Hase, ist aber deutlich jünger als Reinhard, der ihn höchstens auf Kristines Jahrgang schätzt. Irgendwann hat Lars Reinhard mal auf ein Bier eingeladen, in den Keller der Linde, und seitdem treffen sie sich ab und zu, immer in der Linde, immer nur kurz, und sie trinken immer Bier.

Das hier ausgeschenkte Bier kommt weit aus dem Norden, obwohl es in der Nähe mehrere Brauereien gibt. Reinhard wählt, ohne hinzusehen, einen der dunkel gebeizten Sechsertische und wirft seine Lederjacke über einen Stuhl. Zwischen den Sechsertischen hölzerne Gitter, von denen künstliche Weingirlanden hängen; in der Dunkelheit dieses Kellers hätte keine echte Pflanze eine Chance.

Vor ein paar Wochen hat Reinhard Lars von Kristine erzählt. Dass ihm ihr Profil gleich aufgefallen ist, als es neu hinzukam. 72Punkte Übereinstimmung. Das ist gar nicht sehr viel, er hatte Kontakte mit mehr als 90Punkten Übereinstimmung. Damals waren es fünf oder sechs Frauen, denen er gerade regelmäßig schrieb, mehrere andere hatte er bereits getroffen.

Kristine verschwieg im Netz ihren Beruf, genau wie er. »Weil das nicht mein Beruf ist«, hat sie später gesagt, »sondern ein Job.« Eigentlich las sich ihr Profil glatt, wenig aussagekräftig. Aber sie hatte zwei Fotos eingestellt, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Auf dem ersten lächelte sie mit leicht schräg gelegtem Kopf in die Kamera, ein klassisches Bewerbungsbild, Reinhard hörte den Fotografen Kristines Schultern nach oben und unten dirigieren. Das lächerliche Einstecktuch in der Blusentasche hat er außer auf diesem Foto nie an ihr gesehen.

Auf dem anderen Foto trug Kristine einen Minirock, Netzstrumpfhosen und ein sehr weit ausgeschnittenes Oberteil. Sie lag in einem Sessel, die übereinandergeschlagenen Beine ruhten auf der Seitenlehne, mit einem Arm stützte sie sich ab, der zweite hing vor dem Bauch herunter. Die ganze Haltung wirkte unbequem. Der Mund halb geöffnet, die Augen halb geschlossen. Reinhard mochte an dem Foto genau das: dass es sichtlich gestellt war, wahrscheinlich bis hin zu dem hässlichen modernen Couchtisch neben dem Sessel. Kristine hatte sich für das Foto verkleidet.

Aufgrund dieses zweiten Fotos, das wusste Reinhard, würde sie eine Menge Zuschriften bekommen. Seine eigene Nachricht musste sich abheben, er feilte eine halbe Nacht an den Sätzen. Er schlug ihr etwas anderes vor als die anderen, er bot ihr einen neuen Anfang, einen Weg, auf dem er ihr keinen Zentimeter voraus sein würde. Die Frau auf dem Foto musste entweder erschrecken oder sie würde sofort antworten.

»Die neuen Putzfrauen sind eine Zumutung.« Lars reibt sich mit beiden Händen übers Gesicht. Sie sprechen nie über Fälle, wenn sie sich in der Linde treffen, und müssen daher manchmal nach Themen suchen. »Wischen täglich meinen Schreibtisch ab und bringen dabei jeden, wirklich jeden Stapel durcheinander. Die machen mehr Dreck als ich durchs Arbeiten. Aber glaubst du, sie kommen mal auf die Idee, die Fenster zu putzen?«

Der jugendlich gebliebene Lars entspricht viel besser als Reinhard dem Bild des raffinierten, geschliffenen Anwalts. Wochentags in Anzug und Krawatte im Büro, mit einem Aktenköfferchen, so sehr Aktenköfferchen, dass es eigentlich nur ein Zitat sein kann. An den Abenden und Wochenenden: Squash und Joggen. Und die Freundin. »Partnerin«, sagt Lars immer. »Freundin, das klingt ja, als wären wir siebzehn.« Lars will nicht noch einmal siebzehn sein. Er hat seine Freundin– seine Partnerin– nicht im Internet kennengelernt, sondern im Volkspark, wo sie wie er um den ovalen See mit der Fontäne joggte.

Reinhard nimmt einen großen Schluck von seinem Bier, trinkt, ohne etwas zu schmecken. »Wenn die Reinigungsfirma nichts taugt, wird der Alte sich wieder von ihr trennen. Oder Order ausgeben, was die Fenster betrifft.«

»Der große Mettler hat derzeit nur mit seiner eigenen Trennung zu tun. Schmutzig, nach allem, was man hört. So schmutzig, dass ihm Putzfrauen wirklich egal sind.« Lars lacht, sein Adamsapfel springt. »Ich war ja noch nicht verheiratet, ich weiß nicht, wie sich so eine Scheidung anfühlt. Wie war das bei dir?«

»Schmutzig«, sagt Reinhard.

Lars starrt ihn an.

Reinhard muss grinsen. »Nein, natürlich nicht. Wir haben uns ganz friedlich geeinigt.« Nach einer Pause fährt er fort: »Ich habe den Küchentisch bekommen und sie den Rest.«

»Kein Ehevertrag?«

Seit der Scheidung lässt sich Annemarie beim vollen Namen nennen, nicht mehr Annie wie zuvor. Er war damals erleichtert, dass sie so schnell einverstanden war und alles seinen Gang gehen konnte. Am Ende hatten sie die Wahl zwischen zwei Käufern für das Haus und entschieden sich bewusst für das ältere Ehepaar und gegen die Familie. Annemarie fand eine kleine Wohnung, für die ihr Anteil reichte. Als Reinhard ihr sagte, dass er die Stadt wechseln würde, schien sie das zu verstehen. Sie bat ihn nur, nicht ständig anzurufen. Sie wolle einen richtigen Schlussstrich ziehen. Wenn er sie nicht mehr haben wolle, müsse er auch auf die gemeinsamen Gespräche verzichten. Das wiederum verstand er.

»Sie hat nicht um dich gekämpft?« Lars rollt einen Bierdeckel hin und her, er wirkt enttäuscht.

»Worum hätte sie denn da kämpfen sollen?« Es war Reinhards Leben. Er war damals noch nicht einmal fünfzig, sein Leben war längst nicht vorbei. Annemarie und er, das hatte zwanzig Jahre gehalten, er bereute diese Jahre nicht. Annemarie und er hatten sich nach allen Regeln der Kunst aneinander festgeklammert, eine Insel hatten sie gebildet, auf der es alles gab außer einer Sache.

Reinhards Glas ist so gut wie leer, er hält es an den Mund, kippt es, bis der letzte Bierschaum die Kehle hinunterläuft. Lars holt seinen Mantel von der Garderobe und winkt der Bedienung. Als sie auf der Straße stehen, wissen sie kurz nichts zu sagen, Reinhard hebt die Hand, um sich zu verabschieden. Da fängt Lars an zu lachen und fragt: »Ach, kennst du den schon? Richter im Mordprozess in Helsinki: Angeklagter, wo waren Sie in der Nacht vom 13.November auf den 4.Februar?«

- 2 -

Meisner schiebt seinen dicken Körper durch den Supermarkt. Bei den Birnen sieht er seine Nachbarin stehen, Frau Angerer, daneben ihre Tochter. Eine große Kiste mit unreifen, steinharten, giftgrünen Birnen und eine kleine mit Birnen im Sonderangebot, die schon schwarze Flecken und Druckstellen haben, Fruchtfliegen schwirren um sie herum. Meisner hat die Nachbarin noch nicht oft gesehen, obwohl sie auf dem Stockwerk die einzige ist, pro Etage gibt es im Haus nur zwei Wohnungen.

Die Nachbarin, Frau Angerer, legt mehrere unreife Birnen in eine Tüte. Die Tochter heißt Emma. Er geht näher heran, bleibt ein Stück entfernt stehen und sagt: »Guten Tag.« Die Nachbarin, Frau Angerer, dreht sich um. Die Tochter, Emma, sieht auf. »Ach ja, Sie sind das, Herr Meisner«, sagt die Nachbarin, Frau Angerer, und lächelt ihn an. In ihrem Einkaufswagen Birnen, Bananen, Brot, Butter. Meisner fängt an zu schwitzen. Die Nachbarin, Frau Angerer, ist vor einem Jahr in die Nachbarwohnung gezogen. Manchmal hört er sie: wenn der Staubsauger läuft, wenn sie mit der Tochter, Emma, streitet. Ab und zu hört er auch, dass etwas herunterfällt, ein Topf oder etwas anderes.

Er schiebt seinen dicken Körper von einem Gang in den nächsten, bis ihm ein Mann von hinten in die Hacken tritt. »Mensch«, ruft der Mann, »wieso gehen Sie denn so langsam, Sie sind doch noch jung.«

Am Nachmittag, drei Stunden später, klingelt es. Meisner schaut durch den Spion und sieht die Tochter der Nachbarin, Emma, einen Schritt zurücktreten. Sie starrt auf das kleine Loch, als könnte sie darin sein Auge erkennen. Er öffnet, wirft vorher einen Blick in den Spiegel neben der Garderobe, er trägt die gleichen Sachen wie im Supermarkt: die braune Cordhose mit den Hosenträgern, ein sauberes Hemd, feste Schuhe, immer feste Schuhe, auch in der Wohnung. Er hakt die Kette aus, öffnet das Sicherheitsschloss, klinkt die Tür auf. Das Kind senkt den Kopf und schiebt sich, ohne etwas zu sagen, an ihm vorbei. Es ist noch nie in seiner Wohnung gewesen, läuft aber zielstrebig ins Wohnzimmer. Meisner legt die Kette wieder vor und folgt ihm.

»Hallo?«, fragt er leise.

Das Kind sieht nur kurz zu ihm hin, streicht zwischen den Möbeln umher, die noch von den Eltern stammen, das Kind verhält sich dabei sehr still. Nicht einmal die Turnschuhe sind auf dem Teppich zu hören. Das Kind trägt Socken, die nicht zusammenpassen, gestreift die eine Socke, einfarbig die andere, die Hosenbeine sind zu kurz.

Als das Kind einmal durchs Zimmer gelaufen ist, beginnt es, die Möbel, die Schränke zu erforschen. Um alles, was auf der Kommode steht, erreichen zu können, holt es sich die Fußbank aus der Ecke. Mit dem Lesestein aus Bergkristall kann das Kind nichts anfangen; es kommt nicht auf die Idee, ihn auf ein Bild oder einen Text zu legen, und entdeckt deshalb nicht, wie er funktioniert. Das Kind nimmt den Lesestein nur in die Hand, hält ihn ins Licht und dreht ihn hin und her.

»Du heißt Emma, nicht wahr?«, fragt Meisner.

Sie nickt. Bevor sie sich an die Schubladen macht, räumt sie die Fußbank zurück an ihren Platz. Auch den Lesestein hat sie wieder an dieselbe Stelle gelegt.

Die unterste Kommodenschublade knarrt, als sie ganz geöffnet wird. Emma räumt sie komplett aus und wieder ein, dann macht sie mit der mittleren Schublade weiter. Sie breitet eine gefaltete Stoffbahn auf dem Boden aus, scheint wissen zu wollen, wie groß das Stück ist. Mit vorsichtigen Schritten geht sie um den Stoff herum.

Meisner weiß nicht, was er tun soll. Auf dem Sofatisch liegt seine Pfeife, sie ist Vaters Pfeife gewesen, und Meisner zieht den Tabak hinterm Kissen hervor und beginnt, die Pfeife zu stopfen. Er stopft sie lose, dann immer fester, während Emma den Stoff wieder zusammenlegt und nun die oberste Kommodenschublade leert. Meisner beobachtet, wie sie dicken Bindfaden von einem Knäuel abrollt, immer mehr, der Bindfaden hängt auf den Fußboden, der Bindfaden legt sich auf dem Teppich in Schleifen, bis es in der Hand des Kindes kein Knäuel mehr gibt, nur noch das lose Ende. Emma starrt es an. Dann beginnt sie, den Bindfaden wieder aufzuwickeln, sie tut ihr Bestes, trotzdem entsteht nur ein wirres Bündel, das sie verschnürt und in die Kommodenschublade zurücksteckt.

Meisner weiß nicht, was er tun soll, und er raucht. Vor dem linken Fenster steht ein niedriger runder Tisch auf drei Beinen, auf der Tischplatte ein Fleißiges Lieschen. Emma nimmt die Pflanze und stellt sie aufs Fensterbrett. Sie tritt einen Schritt zurück, als müsste sie die Wirkung prüfen, dann stellt sie die Pflanze wieder auf den Tisch. Das Fleißige Lieschen, ein Gewächs aus der Gattung der Springkräuter, Meisners Mutter bekam oft Fleißige Lieschen geschenkt, weil sie Elisabeth hieß und Lieschen genannt wurde. Auf dem Tisch vor dem Fenster hat, solange Meisners Eltern hier wohnten, immer ein Fleißiges Lieschen gestanden.

Plötzlich lässt sich Emma auf die Knie fallen und kriecht unter den Tisch, wo sie die Beine an den Körper zieht. Ein paar Augenblicke sitzt sie still, dann kichert sie laut, Meisner würde gern wissen, was lustig ist, er geht zum zweiten, dem rechten Fenster, öffnet es und klopft die Pfeife auf dem Sims aus.

Die Nachbarwohnung und seine sind unterschiedlich geschnitten. Von draußen, von unten kann man das gut erkennen, schon an der Anzahl der Fenster, Meisners Wohnung ist kleiner, hat ein Zimmer weniger. Aber dieses Fenster hier und das Küchenfenster der Nachbarin müssten in etwa den gleichen Ausschnitt zeigen: vertrocknetes Gras auf dem Platz zwischen den anderen Wohnblocks, Wäschestangen, ein Beet mit Büschen. Jeder Wohnblock hat vier Eingänge, zu denen Stufen aus Waschbeton führten.

Emma kommt unter dem Tisch hervor, holt die Fußbank, stellt sich neben Meisner ans Fenster und sieht ebenfalls auf den Hof. Sie zuckt mit den Schultern. »Ich könnte«, sagt sie plötzlich, »genauso gut da drüben sein. Meine Mutter denkt das. Thomas hat zwei Meerschweinchen, die ganz verschieden aussehen. Thomas wohnt dort drüben. In der Nummer Drei. Wir wohnen in der Nummer Eins. Ich mag die Eins, weil sie so gerade ist.«

»Nein, sie ist ungerade.«

»Was?«

»Die Eins ist eine ungerade Zahl.«

Im nächsten Moment dreht sie sich um und verlässt die Wohnung, wobei sie, wie Meisner hören kann, kurz Probleme mit der Kette hat. Er bleibt erst am Fenster stehen. Aber dann ist er unsicher: Hat Emma die Tür richtig geschlossen? Er geht in den Flur, legt nicht nur die Kette wieder vor, sondern dreht auch den Knauf des Sicherheitsschlosses zweimal herum. Danach lehnt er erschöpft die Stirn ans Holz.

- 3 -

Kristine nimmt Reinhard die Jacke ab und hängt sie auf einen Bügel, seine uralte Lederjacke, die man einfach in eine Ecke werfen könnte, er muss lachen, aber Kristine streicht zärtlich mit der Hand über die Narben an den Ärmeln und eine abgeschabte Stelle. Die Jacke besitzt er seit seiner Ausbildung, vor dem Studium hat er Zimmerer gelernt.

Kristines Po unter dem Wollrock, ihr Rücken vor der Garderobe, gerade, in einem weichen Pullover. Kristine streckt oft den Hals zu weit vor, dadurch haben sich im Nacken die Muskeln verhärtet. Als hätte sie Reinhards Blick gespürt, dreht sie sich um, küsst ihn auf den Mund, im ersten Moment weicht er überrascht zurück. Er stellt seine ebenfalls alte, ebenfalls lederne Aktentasche auf den Boden.

Er ist nicht zum ersten Mal in Kristines Wohnung, aber zum Essen hat sie ihn noch nie eingeladen. Er kommt direkt aus der Kanzlei, ist den Hügel hinaufgefahren und hat vor Kristines Haus geparkt. Sie greift nach seiner Hand, zieht ihn ins Schlafzimmer, an dem Tischchen vorbei, auf dem das Telefon steht, kein kabelloses, ein altes Telefon. Kristine schließt schnell die Schlafzimmertür ab, sie drückt sich an Reinhard, so kennt er sie gar nicht, beim Küssen presst er die Zungenspitze erst leicht, dann stärker gegen eine scharfe Kante ihres Schneidezahns. Gleichzeitig macht er die Augen auf. Wirkt Kristines Schlafzimmer düster, weil die Vorhänge zugezogen sind? Oder liegt es am Teppich? Das Bett ist schmal, die einsame Decke sorgsam gefaltet, nicht einmal ein zweites Kissen kann er entdecken. Am Kleiderschrank hängen Röcke und Blusen, der Laptop steht auf einem Hocker.

Kristine saugt an Reinhards Unterlippe und scheint das fleischige Gefühl zu mögen, er selbst empfindet wenig dabei. Endlich lässt sie ihn los, fährt sich mit der Hand durch die Haare, während sie die Tür wieder aufschließt. »Das Essen«, sagt sie.

Es gibt Eier in Senfsoße mit reichlich Kapern, dazu Kartoffeln, Gurkensalat. Als Kristine Reinhard bittet, Emma zu holen, fällt ihm ein, dass er dem Kind etwas mitgebracht hat. »Gib es ihr nachher«, sagt sie, »sonst isst sie überhaupt nichts.« Kein Geräusch aus Emmas Zimmer, die Tür ist geschlossen.

Leise klinkt er sie auf