cover

Plan1_fmt.jpeg

Plan2_fmt.jpeg

Inhalt

[Cover]

Stadtplan

Titel

Die Liebe im Ghetto

Paula Sawicka
Vorwort

Das Böse kann wachsen

Die Allgemeinschule der ZISCHO, Karmelicka-Straße 29, Ecke Dzielna-Straße

Wie ich zu ihnen aufgestiegen bin …

Bernard Goldsztajn

Liebe im Ghetto

Vielleicht sollte ich auch von der Liebe
älterer Menschen erzählen …

Die Straßen des Ghettos

Der Terror im Ghetto

Tosias entfernte Cousine

Umschlagplatz

Das Jahr 1943:
18., 19., 20. April, 6., 7., 8., 10. Mai

Erinnerungsfetzen

Antek und Celina

Über die Erinnerung

Biographischer Anhang

Bibliographie

Anmerkungen

Autorenporträt

Übersetzerporträt

Über das Buch

Impressum

Titel.jpg

Die Liebe im Ghetto

Paula Sawicka
Vorwort

1 »Liebe im Ghetto« und »Erinnerungsfetzen« wurden erstmals in der Kulturzeitschrift Zeszyty Literackie (dt.: Literarische Hefte) veröffentlicht.

Das Böse kann wachsen

2 Rede während der feierlichen Sitzung, bei der Polen die Präsidentschaft in der Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research übernommen hat. Warschau, den 27. Juni 2005.

Die Allgemeinschule der ZISCHO, Karmelicka-Straße 29, Ecke Dzielna-Straße

3 Der 1897 in Litauen, Polen und Russland gegründete Allgemeine jüdische Arbeiterbund (kurz »Der Bund« genannt) hatte die Demokratisierung Russlands und eine kulturell-nationale Autonomie der Juden zum Ziel. Der Bund war eine säkulare sozialistische Partei und durch seine Verbindung zu verschiedenen Institutionen und Organisationen auch eine soziale Bewegung. Er war in mehreren europäischen Staaten aktiv. Mitglieder des Bunds nannte man Bundisten. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete der Bund in Polen im Untergrund und kämpfte gegen die deutschen Besatzer. Er spielte beim Aufbau des Widerstands im Ghetto eine wichtige Rolle.

4 Der Pawiak war von 1835 bis 1944 ein berüchtigtes Gefängnis für politische Häftlinge im Zentrum von Warschau. Unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde es zu einem Symbol der Unterdrückung und Vernichtung. Zwischen 1939 und 1944 wurden dort Mitglieder des polnischen Untergrunds, aber auch bei den täglichen Razzien wahllos Verhaftete gefangen gehalten. Im Pawiak wurden etwa 37000 Personen ermordet, weitere 67000 Gefangene in die Konzentrationslager deportiert. Den Deutschen diente der Pawiak wegen seiner Lage im Warschauer Ghetto während der Kämpfe des Ghettoaufstands als Basis. (Siehe Stadtpläne auf den Vorsatzblättern)

5 Abk. für Centrala Opieki Społecznej (dt.: Zentrale der sozialen Wohlfahrt). Die Organisation kümmerte sich um Waisenkinder.

6 Einrichtung für tuberkulosekranke Kinder

7 Abk. für: Socjalistiszer Kinder Ferband (dt.: Sozialistischer Kinderverband)

Wie ich zu ihnen aufgestiegen bin …

8 Eine polnisch-jüdische Jugendorganisation, die 1910 in Warschau gegründet wurde. Ab 1916 war Cukunft der offizielle Jugendverband des Bunds. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte er der Jüdischen Kampforganisation (poln. Abk.: ŻOB) an und beteiligte sich am Widerstand gegen die deutschen Besatzer und am Ghettoaufstand.

9 Siehe den biographischen Anhang ab S. 150. »Abrasza« ist ein Kosename für Abraham.

10 Siehe den biographischen Anhang, S. 167.

11 Siehe Stasia Ryfka Rozensztajn-Starker im biographischen Anhang

12 Es handelt sich um ein Denkmal aus rotem Sandstein, das gleich nach dem Krieg auf dem jüdischen Friedhof an der Okopowa-Straße in Warschau aufgestellt wurde, worum sich besonders Salo Fiszgrund bemüht hatte. Das Projekt entwarf Natan Rappaport. An der Stelle des aufgestellten Denkmals wurden exhumierte Bundisten begraben – Ghettokämpfer, die nach dem Verlassen des Ghettos 1943 denunziert und erschossen wurden. Zosia wurde als Fajgele Goldsztajn begraben (in manchen Publikationen erscheint sie als Zosia Goldblat).

13 Aktionen bzw. »Aussiedlungsaktionen« seitens der Deutschen waren Razzien und das Zusammentreiben der Ghettobewohner, um sie dann zum Umschlagplatz zu bringen. Von dort wurden die Menschen mit Zügen ins Vernichtungslager Treblinka deportiert (siehe auch das Kapitel »Umschlagplatz«, S. 85).

14 Bei der letzten »Aussiedlungsaktion« im Ghetto entschieden die Deutschen, dass sie nur arbeitstüchtige Personen im Ghetto zurücklassen würden. Sie bestimmten die Anzahl auf 40000 und gaben so viele Lebensnummern aus. Auch das Krankenhaus bekam Lebensnummern, die von der Chefärztin verteilt wurden.

Bernard Goldsztajn

15 Abk. für Żydowska Organizacja Bojowa (dt.: Jüdische Kampforganisation). Die ŻOB war eine jüdische Widerstandsorganisation, die im deutsch besetzten Polen während des Zweiten Weltkriegs im Warschauer Ghetto gegen dessen Liquidierung und den damit verbundenen Massenmord als Teil des Holocaust kämpfte.

16 Abk. für Polska Partia Socjalistyczna (dt.: Polnische Sozialistische Partei)

17 Abk. für Urząd Bezpieczeństwa (dt.: Sicherheitsamt). Polnische Geheimpolizei (1945–1954).

18 Abk. für Narodny kommissariat wnutrennich del (dt.: Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten). 1934 bis 1946 Name der sowjetischen Geheimpolizei, die ein Instrument des stalinistischen Terrors war.

19 Zygmunt Zaremba (1895–1967), polnischer sozialistischer Politiker und Publizist, der nach dem Krieg nach Frankreich emigrierte, wo er sich weiterhin politisch engagierte.

Liebe im Ghetto

20 Nordöstlich von Warschau gelegenes Dorf, ab Mai/Juni 1942 errichteten die Deutschen dort ein Vernichtungslager. Fast eine Million Menschen, meist Juden, fanden in Treblinka den Tod (darunter etwa 320000 Juden aus dem Warschauer Ghetto). Seit 1964 ist der Ort ein Mahnmal.

21 Nicht zu verwechseln mit dem Ghettoaufstand. Am 1.8.1944 erhob sich die polnische Untergrundarmee Armia Krajowa (Heimatarmee) gegen die deutschen Besatzer. Nach anfänglichen Erfolgen in den ersten Augusttagen wurde der Aufstand nach mehreren Wochen niedergeschlagen, und am 2.10.1944 musste der Befehlshaber der Aufständischen, General Bór-Komorowski, kapitulieren. Danach ordnete Hitler die völlige Zerstörung Warschaus an. Der Aufstand kostete ungefähr 166000 Polen (darunter 155000 Zivilisten) das Leben.

22 Siehe Stadtplan

23 Der Begriff ›Aussiedlungsaktion‹ ist ein Euphemismus. In den meisten Fällen endeten die so genannten Aussiedlungsaktionen im KZ bzw. direkt in den Gaskammern.

Vielleicht sollte ich auch von der Liebe
älterer Menschen erzählen …

24 Henryk Erlich und Wiktor Alter waren Führer des Bunds. Sie flüchteten vor den Deutschen nach Osten, wo sie in Kujbyschewo vom NKWD verhaftet wurden.

25 Schmaltzowniks wurden diejenigen genannt, die versteckte Juden ausfindig machten, um sie und ihre Beschützer dann zu erpressen oder an die Deutschen zu verraten.

26 Konspirativer Name von Cywie Lubetkin. Siehe biographischer Anhang, Seite 160.

Die Straßen des Ghettos

27 Auch »Trawniki« genannt. Nichtdeutsche Helfer der SS, die meist aus der Ukraine kamen. Doch auch Letten, Esten, Litauer, Polen und Russendeutsche zählten zu ihnen. Sie wurden in den Ort Trawniki in der Nähe von Lublin im Osten Polens gebracht, wo die SS 1941 ein Ausbildungslager für die so genannten »Hilfswilligen« eingerichtet hat. Die meisten Rekrutierten waren kriegsgefangene Rotarmisten. Nach der Ausbildung wurden sie in Konzentrations- und Vernichtungslagern eingesetzt, waren aber auch an Deportationen und Erschießungen von Juden in Polen beteiligt und kamen bei der Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto zum Einsatz.

28 In den Ghettos der polnischen Städte wurde auf Anweisung der deutschen Besatzer ein Ordnungsdienst – umgangssprachlich auch Judenpolizei genannt – eingesetzt.

29 Siehe biographischer Anhang, Seite 169.

30 Dt.: Der Arbeiter. Sozialistische Zeitung, die mit der Tradition und Geschichte der Polnischen Sozialistischen Partei (PPS) verbunden war. Sie erschien 1894 bis 2003, ab 1940 als Emigrationsschrift in Frankreich, 1948 wurde sie im kommunistischen Polen eingestellt.

Der Terror im Ghetto

31 Der von den Deutschen eingesetzte Ältestenrat hatte dafür zu sorgen, dass alle Weisungen und Befehle, die von den Besatzern erlassen wurden, exakt und termingerecht durchgeführt wurden.

Tosias entfernte Cousine

Eines Tages setzte sich ein Mädchen auf die Krankenhaustreppe. Es hatte eigentlich ein hübsches Gesicht, doch es war irgendwie insgesamt missraten und bewegte sich unkoordiniert. Es war wohl achtzehn, neunzehn Jahre alt und fragte nach Doktor Goliborska. Als Tosia zu ihr kam, sagte das Mädchen, es sei ihre Cousine, deren Vater im Krieg umgekommen und deren Mutter vor Kurzem gestorben sei. Das Mädchen war also allein zurückgeblieben und bat Tosia, ihm zu helfen, eine Arbeit oder etwas anderes zu finden, um weiterleben zu können. Tosia, die Chefin des Krankenhauslabors war, kam auf die Idee, das Mädchen als Laborantin auszubilden. »Du wirst Verpflegung und ein paar Groschen bekommen, und schlafen wirst du im großen Bibliothekssaal, weil sonst nirgends Platz ist.«

Ein paar Tage lang schaute Tosias Cousine zu, wie die Laborantinnen arbeiteten, und dann sollte sie das Gleiche machen. Doch es stellte sich heraus, dass sie zwei linke Hände hatte und nichts zustande brachte, egal was es war. Also stellte man sie im Labor zum Waschen der Gläser ab. Nach einer Woche war allen klar, dass die neue Mitarbeiterin im Labor die Gläser nicht wäscht, sondern kaputt macht. Was sollte man mit ihr tun? Zum Waschen blieb nur noch der Boden, denn was sie nur anfasste – alles ging zu Bruch.

Im Krankenhaus trieb sich ein Junge herum. Er arbeitete nicht bei uns, also musste er auch ein Verwandter von jemandem gewesen sein. Irgendwie fanden die beiden zueinander und verbrachten ganze Nachmittage zusammen. Keiner wusste, wann es passiert war, doch plötzlich bemerkten wir, dass das Mädchen schon einige Zeit schwanger sein musste.

Währenddessen hatte die Aktion begonnen; die erste »Aussiedlungsaktion«. Als nach der Schließung des Kleinen Ghettos die Leute aus dem Krankenhaus eingesammelt wurden, ist Tosias Cousine, tollpatschig, wie sie war, als Erste in eine Kolonne geraten. Ihr Freund hatte das erfahren, als er gerade irgendwo in der Stadt war. Er lief der Kolonne nach und fand sie dort. Er schloss sich ihr an und lief zusammen mit der Kolonne entlang der Zamenhofa-Straße. Sie kamen zu der Ecke an der Stawki-Straße. Dort wo es zum Tor auf den Umschlagplatz ging, versperrte ihnen ein Este aus den Abteilungen, die das Ghetto von außen umstellten, den Weg und zielte mit dem Gewehr auf den Bauch des Mädchens. Die Esten waren bei Aktionen immer sehr nervös, weil sie nicht verstanden, was um sie herum passierte. Der Junge streckte den Arm aus und hielt seine Hand vor den Bauch. Da schoss der Este. Er schoss dem Jungen die Hand weg. Der versuchte sie mit der anderen irgendwie festzuhalten, damit das Blut weniger floss. Wie der offene Bauch des Mädchens mit dem bereits erkennbaren Kind darin aussah, werde ich nicht erzählen. Das Mädchen starb sofort auf der Straße. Den Jungen brachte man zur Ambulanz des Krankenhauses auf dem Umschlagplatz. Dort wurde er verbunden und als Verletzter mit dem Krankenwagen zurück ins Ghetto gefahren.

Keiner weiß, auf welche Weise er, mit einem wunderschönen weißen Verband um die Hand, auf die arische Seite entkam. Am Tag darauf, irgendwann nachmittags, haben ihn die Deutschen im Stadtteil Praga auf der Targowa-Straße angehalten. Er stand da, an eine Rasenumzäunung gelehnt. Dort erschossen sie ihn.

Umschlagplatz

32 Ort im Südosten Polens. Während des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung wurde dort ein Werksgelände ab 1941 als Lager für sowjetische Kriegsgefangene benutzt. Ab 1942 diente es als Arbeitslager für Juden. Im April 1943 wurden etwa 15.000 Juden aus dem Warschauer Ghetto dorthin deportiert und fast alle im November gleichen Jahres ermordet.

Das Jahr 1943:
18., 19., 20. April, 6., 7., 8., 10. Mai

33 Józef Cyrankiewicz, polnischer Politiker, 1947 bis 1952 und 1954 bis 1970 Ministerpräsident Polens. Cyrankiewicz war 1941 bis 1945 Häftling im KZ Auschwitz, wo er sich dem Lagerwiderstand anschloss.

34 Abk. für Armia Krajowa (dt.: Heimatarmee). Die größte militärische Widerstandsorganisation während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen. Die AK wurde 1939 (zunächst unter anderem Namen) gegründet. Sie war der militärische Arm des polnischen Untergrundstaats und zählte 380000 Mitglieder (1943).1942 wurde Henryk Woliński zum Leiter der »Jüdischen Abteilung« im Büro für Information und Propaganda beim Hauptkommando der AK ernannt. Er informierte die polnische Regierung im Londoner Exil über den Holocaust und war der Verbindungsmann zur ŻOB.

35 Konspirativer Name von General Stefan Rowecki bei der AK.

36 Schultz & Co. GmbH und Walther C. Többens waren deutsche Betriebe im Ghetto, in denen Juden Zwangsarbeit leisten mussten.

37 Deutsche Werkschutzleute waren angestellt, um in den Betrieben des Ghettos für Ordnung zu sorgen.

38 Das Ghettogebiet wurde von der ŻOB in vier Kampfzonen eingeteilt: Zentralghetto, Fabrikgelände, Muranowski-Platz und Bürstenfabrik. Marek Edelman war der Anführer des Gebiets um die Bürstenfabrik.

39 Abk. für Wolność Równość Niepodległość (dt.: Freiheit Gleichheit Unabhängigkeit). Nachdem die Polnische Sozialistische Partei (PPS) Ende September 1939 aufgelöst wurde, gründete sich eine Bewegung der Werktätigen der Städte und Gemeinden unter der Abkürzung PPS-WRN.

40 Dt.: Schwert und Pflug.

41 Eigtl. Wladimir (Zeev) Jabotinsky (1880–1940). Zionistischer Politiker, Journalist, Schriftsteller, Übersetzer. Jabotinsky forderte die Schaffung eines jüdischen Staats in den Grenzen des biblischen Palästina. 1925 wurde er Präsident der Weltunion der Zionisten-Revisionisten.

42 Jürgen Stroop (1895–1952), SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS und der Polizei. Stroop wurde von Himmler persönlich beauftragt, den Aufstand im Warschauer Ghetto niederzuschlagen. Er dokumentierte seine Handlungen in dem so genannten Stroop-Bericht, der bei den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher verwendet wurde. Nach dem Krieg lieferten die Amerikaner Stroop an Polen aus, wo er 1951 zum Tode verurteilt und 1952 gehängt wurde.

43 Siehe Bibliographie.

Erinnerungsfetzen

44 Dt.: Informations-Bulletin. Wochenzeitschrift des polnischen Untergrunds in Warschau in der Zeit der deutschen Besatzung 1939 bis 1945. Während des Warschauer Aufstands kam das Informations-Bulletin täglich heraus.

45 Dt.: Steine auf die Schanze.

46 Abk. für Komitet Obrony Robotników (dt.: Komitee zur Verteidigung der Arbeiter). Gruppe der polnischen Bürgerrechtsbewegung. Sie entstand als Reaktion der Intellektuellen auf Repressionen der Staatsführung gegen die Teilnehmer an Arbeiterprotesten im Jahr 1976. KOR war eine der Keimzellen der Gewerkschaftsbewegung Solidarność.

47 Abk. für Armia Ludowa (dt.: Volksarmee). Die AL war eine kommunistische Untergrundorganisation in Polen während des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde von der Sowjetunion im Kampf gegen die deutschen Besatzer unterstützt, um nach dem Sieg in Polen eine sozialistische Ordnung herzustellen. Im Gegensatz zu der AK, die gleich nach Ausbruch des Kriegs (zunächst unter anderem Namen) gegründet wurde, entstand die AL erst 1942 (als Gwardia Ludowa) und zählte nur 30000 Mitglieder (die AK hatte bis zu 380000 Mitglieder). Das Czwartaków-Bataillon war eine elitäre Sturmabteilung der AL für spezielle Aufgaben.

48 Dt.: Altes Munitionslager.

49 Dt.: Kalt.

50 Zygmunt Henryk Berling (1896–1980), polnischer General und Politiker. Im September 1939 befand er sich – nachdem er in der polnischen Armee gedient hatte – bereits im Ruhestand. Nach dem Einmarsch der Russen in Wilno (dem heutigen Vilnius) wurde er in seinem Haus verhaftet und nach Moskau gebracht, wo er bis 1941 interniert war. 1943 beförderte ihn Stalin zum General, und im Juli 1944 wurde Berling die Leitung der neuen polnischen Armee übertragen.Während des Warschauer Aufstands bemühte er sich – ohne Absprache mit den Sowjets –, den kämpfenden Polen zu Hilfe zu kommen.

Antek und Celina

51 Abk. für: Polska Partia Robotnicza (dt.: Polnische Arbeiterpartei), die im Januar 1942 im Untergrund in Warschau gegründet wurde.

Über die Erinnerung

52 Ansprache bei der Konferenz »Polnische Erinnerung – Jüdische Erinnerung« in Krakau am 10. und 11. Juni 1995

53 Jan Karski (eigtl. Jan Kozielewski, 1914–2000), polnischer Offizier und Kurier der AK. Er informierte die polnische Exilregierung in London sowie die britische und die amerikanische Regierung über die dramatische Situation in Polen und über die systematische Ermordung der Juden. Karski ließ sich in das Warschauer Ghetto einschleusen und wurde dort von Leon Feiner eskortiert. Als er im Juli 1943 Präsident Roosevelt und andere amerikanische Politiker sowie Führer jüdischer Organisationen in den USA traf, um ihnen zu berichten, was er gesehen hatte, glaubte ihm niemand.

54 Władysław Bartoszewski, polnischer Historiker, Publizist und Politiker. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er im Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Er war führender Aktivist beim Żegota-Komitee, das etwa 75000 Juden das Leben rettete (Żegota war eine polnische Untergrundorganisation, die Juden half). Bartoszewski war Gefangener im KZ Auschwitz und nahm am Warschauer Aufstand teil.

55 Tadeusz Gajcy und Tadeusz Borowski waren polnische Schriftsteller.

Biographischer Anhang

56 Dt.: Der junge Wächter. Internationale sozialistisch-zionistische Jugendorganisation. Nach der Besetzung Osteuropas und insbesondere Polens ging der Verband in den Untergrund und kämpfte gegen den Nationalsozialismus und die Wehrmacht.

57 Aniela Steinsberg (1896–1980), Übersetzerin und Rechtsanwältin. Eine der ersten Frauen in Polen, die als Rechtsanwältin gearbeitet hat. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war sie berühmt für die Verteidigung von Kommunisten und Arbeitern vor Gericht. Während des Zweiten Weltkriegs versteckte sie sich in Warschau und arbeitete mit bei Żegota, indem sie auf der arischen Seite für Juden, die aus dem Ghetto geflüchtet waren, Zufluchtsorte organisierte.

58 Abk. für Komisja Koordynacyjna Żydowski Komitet Narodowy (dt.: Koordinationskomitee Jüdisches Nationalkomitee).

59 Vorläufer der AL (Volksarmee).

60 1942 versprachen die Deutschen, sie würden Warschauer Juden, die Pässe neutraler Staaten besaßen, die Ausreise nach Südamerika erlauben. Daraufhin haben jüdische Organisationen in der Schweiz damit begonnen, Pässe ins Warschauer Ghetto zu schicken, um so viele Menschen wie möglich zu retten. Doch viele, auf die die Dokumente ausgestellt wurden, waren bereits tot. Im Mai 1943, nach der Liquidierung des Ghettos, hat ein Netz von Kollaborateuren, das mit der Gestapo zusammenarbeitete, damit begonnen, diese Pässe an Juden zu verkaufen, die sich noch im arischen Teil Warschaus versteckt hielten. Die Gestapo nutzte das Hotel Polski, um dort die Juden zu sammeln und sie angeblich für die Reise nach Südamerika vorzubereiten. 2500 Menschen kamen aus ihren Verstecken in das Hotel und wurden von dort aus im Juli 1943 – anstatt nach Südamerika – in die Lager nach Vittel und Bergen-Belsen gebracht. 300 Juden, die sich ohne Pässe im Hotel Polski aufhielten, wurden im Pawiak-Gefängnis ermordet.

61 Dt.: Puppe.

62 Das heißt, sie sah nicht jüdisch aus.

63 Dt.: Die Stimme der Jugend.

64 Drost, Verwalter

Bibliographie

Marek Edelman: Das Ghetto kämpft. Berlin: Harald-Kater-Verlag 1993 (polnische Erstausgabe Warschau 1945)

Rudi Assuntino, Włodek Goldkorn (Hg.): Der Hüter. Marek Edelman erzählt. München: C. H. Beck Verlag 2002

Witold Bereś, Krzysztof Burnetko: Marek Edelman erzählt. Berlin: Parthas Verlag 2009

Hanna Krall: Dem Herrgott zuvorkommen. Ein Tatsachenbericht. (Basierend auf Gesprächen mit Marek Edelman.) Berlin: Volk und Welt Verlag 1979, Frankfurt am Main: Verlag Neue Kritik 1992

Hanna Krall: Schneller als der liebe Gott. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1980

Anmerkungen

Autorenporträt

Edelman_Marek.tif

© Piotr Uss Wąsowicz

Marek Edelman wurde 1921 in Warschau geboren. Er war einer der Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto. Nach Kriegsende studierte Edelman Medizin und wurde Kardiologe. Später engagierte er sich in der Gewerkschaft Solidarność. Erst 1976 brach er sein langes Schweigen über die Zeit im Ghetto. Die Geschichte seines Lebens wurde mehrfach verfilmt. Marek Edelman starb 2009.

Sein Werk bei Schöffling & Co.: Die Liebe im Ghetto (2013).

Übersetzerporträt

Joanna Manc, geboren 1959 in Gdynia, lebt seit 1968 in Frankfurt am Main. Sie studierte Germanistik, Romanistik und Slawistik und ist seit 1994 Übersetzerin aus dem Polnischen. 2006 erhielt sie den Förderpreis des Europäischen Übersetzerpreises Offenburg.

Über das Buch

Marek Edelman war einer der Anführer des jüdischen Widerstands im Warschauer Ghetto und ein unbequemer Mahner. Mit nur einer Handvoll Gefährten organisierte der damals Zweiundzwanzigjährige 1943 den kurzen, hoffnungslosen Kampf gegen die übermächtigen Deutschen. Eindringlich lässt Edelman seine Erinnerungen an das Ghetto lebendig werden. Hier rettete er Gefährten vor der Deportation und gab unter Einsatz seines Lebens das Untergrund-Bulletin heraus. Hier erfuhr er aber auch Zusammenhalt im Angesicht der Gefahr, erlebte bewegende Momente der Liebe, der Verbundenheit zwischen Eltern und Kindern, zwischen jungen und älteren Liebenden.
Als Marek Edelman 2009 starb, schrieb Die Welt