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Inhalt

[Cover]

Titel

Widmung

Lieblingsblumen

Aquilegia

Campanula persicifolia

Caryopteris clandonensis ‚Ferndown‘

Catananche caerulea major

Clematis tangutica

Cobaea scandens

Daphne mezereum

Dianthus ‚Rainbow Loveliness‘

Erica carnea

Eucryphia glutinosa

Fritillaria

Fuchsia ‚Rose of Castile‘

Galanthus elwesii

Galtonia candicans

Hostas

Hydrangea ‚Blue Wave‘

Iris kaempferi

Iris stylosa

Lilium regale

Magnolia grandiflora

Meconopsis betonicifolia

Mesembryanthemum criniflorum

Miscanthus sinensis ‚Zebrinus‘

Narcissus bulbocodium

Nerine bowdenii

Nicotiana ‚Sensation‘

Nymphaea ‚Laydekeri‘

Violas

Päonien

Physalis franchetii

Pleione formosana

Primula denticulata

Prunus ‚Amanogawa‘

Prunus subhirtella ‚Autumnalis‘

Pyrus salicifolia ‚Pendula‘

Rhododendron ‚Lady Chamberlain‘

Rosa gallica ‚Versicolor‘

Polygonatum odoratum

Sternbergia lutea

Autorenporträt

Übersetzerporträt

Über das Buch

Impressum

[Leseprobe – Das Jahr des Gärtners]

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In Liebe für
Pat und Fred Whitsey,
ihre Blumen und ihre Katzen.

Lieblingsblumen

Aquilegia

Akelei
oder
Karneval der Blumen

Wenn Sie mit Walter Pater übereinstimmen, dass alle Formen der Kunst den Zustand der Musik – nämlich die Einheit von Gegenstand und Form – anstreben und alle Formen der Schönheit ein musikalisches Äquivalent besitzen, müssen Sie auch der Meinung sein, dass Blumen, Bäume und alles, was da wächst, grünt und blüht, in Musik umgesetzt werden kann, auch wenn diese Musik ungeschrieben bleibt und nur als Echo in unseren Köpfen existiert.

Ein Birkenhain zu Frühlingsbeginn beschwört den mächtigen Geist von Bach herauf und vermittelt uns das Gefühl, in einer natürlichen Kathedrale zu stehen. Die nackten Zweige über uns verflechten und verweben sich zu einem Kontrapunkt von unvergleichlicher Zartheit und Biegsamkeit. Durch sie hindurch leuchtet das reine, klare Licht des Himmels, so wie es in Bachs Partituren aus jeder Note hervorleuchtet.

Blumen und Komponisten – ein unterhaltsames Gesprächsthema, das für Abwechslung in einer geselligen Runde sorgen könnte. Chopin eine Narzisse im Regen? Debussy eine Jungfer im Grünen? Rachmaninow – eine Art Kletterpflanze, verkrümmt und verkrüppelt wie eine vom Blitz getroffene Glyzine, die dennoch unglaubliche Blütenkadenzen hervorbringt. Beethoven? Hier werden wir uns wohl für die so offensichtliche mächtige Eiche entscheiden müssen, auch wenn es manchmal eine verdorrte Eiche ist. Mozart schuf ein derartiges Melodienparadies, dass wir ihm eine ganze Frühlingswiese hoch oben in den Bergen zugestehen müssen. Und was ist mit den britischen Komponisten, von Elgar und Britten einmal abgesehen? Hier hülle ich mich lieber in Schweigen, um niemandem zu nahe zu treten, denn mir ist bewusst, dass es viele Menschen gibt, die eine Schwäche für Stockrosen haben.

Die Akelei vergebe ich an Schumann, und zwar aus zwei Gründen, einem offensichtlichen und einem nicht ganz so offensichtlichen.

Der offensichtliche Grund ist, dass sie bei uns in England »Columbine« genannt wird, und die Colombine tanzt im Hintergrund durch die ganze Sequenz des Carnaval, der der echteste und typischste Schumann ist, den es gibt. Er ist ein Abbild seiner Persönlichkeit.

Der weniger offensichtliche Grund ist, dass … nun, eigentlich handelt es sich hier nur um eine persönliche »Vorliebe«. Schumann besaß nicht die Eleganz von Chopin, ebensowenig wie die Akelei die Eleganz der Narzisse besitzt. Dennoch tanzt sie, wie seine Musik tanzte. Schumann besaß auch nicht den glühenden Überschwang von Brahms … aber allmählich wird es langweilig, und wir sollen schließlich ein Buch über das Gärtnern schreiben.

Erlauben Sie mir also, Sie darauf hinzuweisen, dass diese seltsamerweise in Vergessenheit geratene Blume endlich aus langem Schlaf erwacht ist und Sie bald mit einer ganzen Palette neuer Farben und verschönerter Formen entzücken wird. Besuchen Sie im Juni die Gärten der Royal Horticultural Society in Wisley, und Sie werden viele aufregende Experimente zu sehen bekommen. Im nächsten Jahr oder vielleicht in dem darauf werden die Ergebnisse dieser Experimente in den Katalogen der Versandgärtnereien zu finden sein.

Campanula persicifolia

Pfirsichblättrige Glockenblume
oder
Retter in der Not

Vielleicht sollte ich den etwas merkwürdigen Untertitel damit erklären, dass diese überaus empfehlenswerte Pflanze genau in den beiden Wochen des Jahres, in denen der Garten von Rechts wegen in voller Blüte stehen müsste, es aber aus irgendeinem Grund nicht tut, unversehens als unser Retter in der Not auftaucht. Die Tulpen sind hinüber, die Rosen stecken noch ganz in den Anfängen, die Blütenblätter der Clematis montana häufen sich in verblassenden Schwaden vor der Mauer und in ein paar wenigen Tagen werden die Pfingstrosen nur noch eine Erinnerung sein. Man kommt sich vor wie auf einer dieser schlecht organisierten Partys, wo die einen gerade erst eintrudeln, während die anderen schon anfangen, sich zu verabschieden.

Genau in diesem Augenblick treten die Glockenblumen auf den Plan. Lassen Sie uns bei unserem Bild bleiben. Selbst wenn der Ballsaal so gut wie leer ist, besteht keinerlei Gefahr, dass die Party langweilig wird, solange Gäste wie diese anwesend sind – erlesen gekleidet, voller Grazie und Anmut und offensichtlich wild entschlossen, sich zu amüsieren. Deshalb pflanze ich immer mehrere große Gruppen von ihnen, und zwar en masse, an diverse strategisch wichtige Stellen des Gartens, die eine Aufmunterung nötig haben.

In einem anderen Teil dieses Büchleins spreche ich von der »therapeutischen« Wirkung der Stiefmütterchen. Die Glockenblumen besitzen diese Wirkung ebenfalls, sofern Sie tun, was ich tue, und jede einzelne welke Blüte abschneiden, damit die Knospen für Nachschub sorgen können. Manch einer mag das als Herkulesarbeit betrachten, andere jedoch sehen darin vielleicht, so wie ich, eine intelligente Methode, seine Zeit zu vertrödeln. Man spaziert mit einer Schere in den Garten, begibt sich mitten unter die Blumen – sie wachsen so hoch, dass man sich kaum einmal bücken muss – und fängt an, vor sich hin zu schnipseln. Und bald hat man alle weltlichen Sorgen vergessen und gleitet selig vor Wonne durch einen blassblauen Himmel.

Sollte das Zeitalter der Muße, in dem wir von allen unangenehmen Betätigungen befreit sind, tatsächlich demnächst für uns heraufdämmern – eine Aussicht, die mit einer gewissen Bangigkeit betrachtet werden muss –, können wir nur hoffen, dass die Organisatoren den Verdiensten der Glockenblumen mehr als nur einen flüchtigen Gedanken widmen werden.

Caryopteris clandonensis ‚Ferndown‘

Bartblume ‚Ferndown‘
oder
Blauer als Blau

Paradoxerweise ist Blau eine Farbe, bei der viele Menschen rot sehen, womit ich die ständigen erbitterten Auseinandersetzungen darüber meine, welche Blume am blauesten ist. Waschmittelherstellern bereitet dieses superlativische Problem keine schlaflosen Nächte. Sie haben nicht den geringsten Zweifel daran, dass ihr jeweiliges Produkt am allerweißesten wäscht, und manchmal begeistern sie sich derart für ihr spezielles Weiß, dass man Angst bekommt, sie könnten sich selbst aus dem Bildschirm herausweißen. Was eigentlich gar keine so schlechte Idee wäre.

Wenn wir davon ausgehen, dass jede Farbe eine spirituelle Konnotation besitzt, ist das wohl unschuldigste Blau, das wir kennen, das Blau eines alten Kirchenfensters, durch das die Sonne hindurchfällt. Allerdings scheint die Kunst, diese Farbe zu reproduzieren, in unserer modernen Zeit verloren gegangen zu sein; selbst in der Kathedrale von Coventry mit ihrem Kaleidoskop aus Buntglas sucht man vergebens danach. Bei den Blumen würden wir vielleicht erwarten, dieses Blau beim Rittersporn zu finden, aber selbst in dieser Familie scheint kein einziges Mitglied jene spezielle Aura der Unschuld zu besitzen; jede einzelne Schattierung von Ritterspornblau enthält immer auch einen Hauch von Raffinesse. Die verschiedenen Bleiwurzarten bringen uns der Sache etwas näher, allerdings sind sie vielleicht einen Tick zu dunkel, ähnlich wie einige der Hintergründe der Madonnen von Botticelli. Ziemlich dicht kommen wir unserem Ideal mit dem Enzian und der Steinsame, immer vorausgesetzt, die Sonne scheint.

Das Blau der Bartblume dagegen leuchtet bei jedem Wetter, was ein Glück ist, da sie erst so spät blüht, dass sie den Stürmen und frühen Frösten des Oktobers trotzen muss, einem der vertracktesten Monate des Jahres. Während ich das hier schreibe, zeigt der Kalender den 20. Oktober, und obwohl die letzten Tage kalt und windig waren, blühen die Bartblumen ganz hinten auf der anderen Seite des Rasens derart überschwenglich, dass man sie vom Fenster des Arbeitszimmers aus deutlich sehen kann. Das ist übrigens eine der bezauberndsten Eigenschaften dieser Pflanze: Ihr Blau scheint die Fähigkeit zu besitzen, selbst große Entfernungen zu überbrücken, ganz so, als sei sie eine Art blumiger Heilsbringer, der der ganzen Welt seine frohe Botschaft verkünden will.

Catananche caerulea major

Blaue Rasselblume
oder
Nur fast unsterblich

Irgendwann einmal habe ich geschrieben, der größte Nachteil langlebiger Blumen wie der Strohblumen oder Immortellen sei ihre Langlebigkeit, womit ich sagen wollte, dass gerade die Tatsache, dass sie quasi ewig halten, sie von den anderen Blumen im Garten absondert und ihnen den Anflug von Spiritualität raubt, der allen Dingen innewohnt, die welken, vergehen, sterben. Selbst im Hochsommer, wenn ihre wie lackiert glänzenden Blüten sich der Sonne öffnen, hat man das eigenartige Gefühl, zu sehen, wie sich der Staub auf ihnen sammelt. Es ist, als wüssten sie, dass irgendjemand sie abschneiden und ins Haus tragen wird, um sie Weihnachten hervorzuholen und von ihnen zu erwarten, dass sie einen Starauftritt hinlegen, obwohl ihre Stengel völlig verdorrt und ihre Säfte längst ausgetrocknet sind, ähnlich wie bei einer müden alten Schauspielerin, die auf eine Bühne zurückkehrt, die sie längst vergessen hat.

Die zarten, kornblumenartigen Knospen und Blüten der Rasselblume in ihren silbrigen Haarkelchen, die einen an die fransigen Papiermanschetten rund um ein Miniatursträußchen erinnern, sind nicht von dieser unguten Aura umgeben. Sicher, auch sie halten fast ewig, aber eben nur fast. Denn sie haben die Angewohnheit, sich im entscheidenden Augenblick grau zu verfärben und in sich zusammenzuschrumpfen. Aus diesem Grund können wir erfreut feststellen, dass sie nicht allzu oft von Menschen verwendet werden, die der, meiner Meinung nach, ziemlich grauenhaften Angewohnheit anhängen, Körbe und Schalen mit Trockenblumen zu füllen, auf dass der Staub sich auf ihnen sammeln kann. Und so können wir die Rasselblumen schlicht und einfach als Blumen betrachten.